Wenn ein Kompressordatenblatt 8 bar angibt, ist das ein Überdruck: 8 bar über dem Druck der Umgebungsluft. Als Absolutdruck, also vom Vakuum aus gemessen, sind es etwa 9 bar. Einstellen und regeln Sie einen Kompressor im Überdruck. Für die Berechnung eines Luftvolumens, eines Verbrauchs oder eines Verdichtungsverhältnisses rechnen Sie mit dem Absolutdruck.
Dieser Ratgeber klärt die Begriffe. Welchen Druck Ihre Werkzeuge brauchen, lesen Sie anschliessend unter Kompressordruck in bar berechnen.
Zwei Arten, denselben Druck zu zählen
Der Absolutdruck wird vom vollkommenen Vakuum aus gezählt, in dem keine Luftmoleküle mehr vorhanden sind. Das Vakuum hat 0 bar absolut.
Der Überdruck wird vom Atmosphärendruck aus gezählt, dem Druck der Luft um uns herum. Genau das misst ein Manometer: An der freien Luft zeigt es 0, obwohl die Umgebungsluft etwa 1 bar drückt.
Der Zusammenhang passt in eine Zeile:
Absolutdruck = Überdruck + Atmosphärendruck
Auf Meereshöhe beträgt der Normdruck der Atmosphäre 1,013 bar. In der Werkstatt rundet man auf 1 bar, das reicht für alle üblichen Rechnungen.
Die Schreibweisen im Überblick
| Schreibweise | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| bar, bar(ü), barg | Überdruck, am Manometer abgelesen | 8 bar(ü) |
| bar(a), bara, bar abs | Absolutdruck, vom Vakuum aus gezählt | 9 bar(a) |
| psig | Überdruck in Pfund pro Quadratzoll | 116 psig ≈ 8 bar(ü) |
| psia | Absolutdruck in Pfund pro Quadratzoll | 131 psia ≈ 9 bar(a) |
| MPa | Megapascal, 1 MPa = 10 bar, meist Überdruck | 0,8 MPa = 8 bar |
Steht auf einem Datenblatt, einem Werkzeug oder einem Kompressor nur „bar“, ist fast immer der Überdruck gemeint. Die Umrechnungswerte der Tabelle sind physikalische Standardwerte: 1 bar entspricht 100 kPa und etwa 14,5 psi. Unser Umrechner für Liefermenge und Druck übernimmt die Rechnung.
Wann brauchen Sie den Absolutdruck?
Immer dann, wenn Sie eine Luftmenge berechnen. Ein Gas wird im Verhältnis seines Absolutdrucks verdichtet: Ein Liter Luft bei 8 bar Überdruck enthält ungefähr 9 Liter Luft im Umgebungszustand. Drei Fälle kommen häufig vor.
1. Die Luft im Druckluftbehälter
Ein Behälter mit 270 Litern, gefüllt auf 10 bar Überdruck, enthält etwa 270 × (10 + 1) = 2.970 Liter freie Luft. Nutzbar ist davon nur ein Teil: die Luft zwischen Abschalt- und Einschaltdruck des Kompressors, denn darunter arbeiten die Werkzeuge nicht mehr richtig. Diese nutzbare Reserve rechnet man mit der Druckdifferenz, wie in unserem Ratgeber zur Kompressorregelung erklärt.
2. Der Verbrauch eines Zylinders oder einer Düse
Ein Pneumatikzylinder verbraucht bei jedem Hub sein Hubvolumen, gefüllt mit dem Arbeitsdruck. Bei 6 bar am Manometer multipliziert man dieses Volumen mit 7, nicht mit 6. Aus demselben Grund verbraucht eine Blasdüse deutlich weniger, wenn man den Druck senkt: Ihr Durchfluss folgt ungefähr dem Absolutdruck vor der Düse.
3. Das Verdichtungsverhältnis
Die Arbeit des Kompressors hängt vom Verhältnis zwischen absolutem End- und absolutem Ansaugdruck ab. Bei 8 bar Überdruck auf Meereshöhe liegt es bei etwa 9 ÷ 1 = 9, bei 13 bar bei etwa 14. Deshalb liefert dieselbe Maschine bei höherem Druck weniger Luft: Das Datenblatt des S 110 nennt 1,7 m³/min bei 8 bar, 1,4 m³/min bei 10 bar und 1,1 m³/min bei 13 bar.
Ein Rechenbeispiel: Werkzeugdruck in psi
Viele Werkzeuge geben ihren Betriebsdruck mit 90 psi an. Schritt für Schritt:
- 90 psi ÷ 14,5 ≈ 6,2 bar. Ohne Zusatz ist das Überdruck: 6,2 bar(ü).
- Absolut: 6,2 + 1 ≈ 7,2 bar(a).
- Für die Einstellung des Kompressors bleiben Sie beim Überdruck: 6,2 bar am Werkzeug, dazu der Druckverlust im Netz und eine Regelreserve. Ein 8-bar-Kompressor passt in den meisten Fällen.
Der typische Fehler ist, Über- und Absolutdruck in derselben Einstellung zu mischen und 1 bar an der falschen Stelle zu addieren oder abzuziehen. Bei einer Druckeinstellung mischt man die beiden nie.
Und in der Höhe?
Der Atmosphärendruck sinkt mit der Höhe: In der Normatmosphäre liegt er bei rund 1.000 m nur noch bei etwa 0,9 bar. Das Manometer zeigt weiterhin Überdruck. Ein Kompressor, der im Gebirge auf 8 bar eingestellt ist, liefert den Werkzeugen also denselben Nutzdruck, saugt aber dünnere Luft an: Sein Verdichtungsverhältnis ist höher, und er liefert bei gleicher Leistung etwas weniger freie Luft. Liegt Ihr Standort hoch, geben Sie das in Ihrer Anfrage an, damit die Auslegung es berücksichtigt.
Was das bei der Wahl eines AIRSTAHL-Kompressors bedeutet
Alle Drücke in unseren Datenblättern sind Überdrücke, genau wie bei Ihren Werkzeugen:
- Die S-Serie gibt es mit 8, 10 oder 13 bar, ausser dem S 220 PM, der mit 10 bar angegeben ist.
- Die E-Serie umfasst den E 75 HP, einen zweistufigen Kolbenkompressor mit 12,5 bar.
- Die L-Serie deckt 8 bis 16 bar für das Laserschneiden ab.
Sie können den Druck eines AIRSTAHL-Datenblatts also direkt mit der Angabe in der Bedienungsanleitung Ihres Werkzeugs vergleichen, ohne Umrechnung. Den Absolutdruck brauchen Sie nur für Volumen- und Verbrauchsrechnungen. Wann sich ein hoher Druck lohnt, lesen Sie unter Kompressor mit 10, 13 oder 16 bar.
Das Wichtigste
- „bar“ an Kompressor oder Werkzeug bedeutet Überdruck.
- Absolut = Überdruck + etwa 1 bar auf Meereshöhe.
- Eingestellt wird im Überdruck, Luftvolumen rechnet man absolut.
Der Konfigurator geht vom Betriebsdruck Ihrer Werkzeuge aus und schlägt ein Modell vor. Für Sonderfälle (Höhenlage, Hochdruck, Prozessluft) beschreiben Sie Ihre Anwendung in einer Angebotsanfrage: Unsere Techniker prüfen die Rechnung mit Ihnen.